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Was du im ersten Jahr anbauen solltest
Was du im ersten Jahr anbauen solltest
Wenn du im Frühling in ein Gartencenter gehst, stehst du vor einer Wand aus Samenpackungen. Jede interessanter als die andere, jede mit großen Versprechungen. Für ein paar Euro pro Packung verliert man schnell den Überblick – und ehe du dich versiehst, liegen fünf Salatsorten im Korb, zwei Kürbisarten, Fenchel, Kohlrabi, roter Mizuna und eine Packung Celtuce, weil der Name irgendwie spannend klang.
Drei Monate später hast du Berge von Gemüse, das du noch nie gekocht hast, keinen Plan, was du damit sollst, und über das ganze Projekt macht sich leise Ernüchterung breit.
Mach es lieber gleich richtig.
Bau an, was auch gegessen wird
Bevor du Saatgut kaufst, überlege dir Folgendes: Was hast du die letzten Wochen so gekocht? Was kam in den Salat, in die Pasta, in die Pfanne, aufs Brot? Worauf hättest du Lust, wenn du es frisch aus dem Garten holen könntest?
Für die meisten Gartenneulinge lautet die realistische Antwort: Salat, Tomaten, Radieschen, Zucchini, Buschbohnen, eine Handvoll Kräuter, vielleicht Möhren, wenn der Boden mitmacht. Das ist keine glamouröse Liste – aber genau die Sachen, die du auch wirklich aufbrauchen wirst.
Die Faustregel ist simpel: Wenn ein Gemüse es nicht auf deinen normalen Einkaufszettel schaffen würde, lohnt sich auch der Anbau nicht.
Was wächst in deiner Gegend?
Auf der Samenpackung steht nicht immer die ganze Wahrheit. Vieles keimt zwar in einem nordeuropäischen Sommer, schafft es aber nicht bis zur Ernte, bevor die Tage kürzer werden – Auberginen, Wassermelonen, Paprika im Freiland, die spätesten Tomatensorten. Andersrum schießen Spinat und die meisten Salate, sobald der Juli richtig warm wird.
Zu wissen, was in deiner Gegend funktioniert, ist die halbe Miete – und genau das sagt dir im Gartencenter niemand.
Die Ortaia-App macht das für dich: Sie schlägt nur Gemüse vor, das in deinem Klima Sinn ergibt, und sagt dir, ob es ins Freiland oder ins Gewächshaus gehört. In Norddeutschland zum Beispiel sind Auberginen nur im Gewächshaus realistisch. Dasselbe Prinzip gilt überall: Was an der italienischen Adria selbstverständlich ist, kann an der Nordsee ein Reinfall sein – und was in Schleswig-Holstein prächtig wächst, leidet vielleicht in Österreich.
Wenn du es lieber selber herausfinden willst, frag jemanden aus der Nachbarschaft – was nebenan gut wächst, wird höchstwahrscheinlich auch bei dir funktionieren.
Plane ein Experiment ein
Wenn die Basis steht, plane ein kleines Experiment – eine Stangenbohnensorte mit lila Schoten, eine gestreifte Tomate, einen Kürbis, eine Melone, eine Chili. Etwas, das dich neugierig macht. Aber nur eines.
Vielleicht wird nichts draus. Macht nichts. Ein Experiment, das du dir bewusst gegönnt hast, bringt dir mehr Freude als jedes brav-vernünftige Gemüse, das nur im Beet steht, weil es praktisch war.
Finger weg – fürs Erste
Manche Gemüsesorten sind für den Anfang undankbar: Sie haben eine lange Kulturdauer, sind empfindlich und verzeihen kaum Anfängerfehler. Heb dir diese lieber für Jahr zwei oder drei auf:
Rosenkohl: Neun Monate Wachstumsphase, ein absoluter Schneckenmagnet und mag keine unregelmäßige Bewässerung.
Blumenkohl: Reagiert empfindlich auf Temperaturschwankungen, schießt gern, und am Ende erntet man oft nur einen Kopf in Golfballgröße.
Sellerie: Braucht ständig Wasser und macht beim Bleichen viel Arbeit.
Pastinaken: Brauchen ewig zum Keimen (sechs Wochen sind keine Seltenheit) und haben eine so lange Kulturzeit, dass viele vorher aufgeben.
Auberginen, Wassermelonen, Paprika im Freiland: Sie brauchen Wärme und eine Saisonlänge, die in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ohne Gewächshaus kaum machbar ist.
Es spricht nichts dagegen, zu warten. Diese anspruchsvollen Sorten gibt es nächstes Jahr auch noch – und du wirst sie deutlich besser hinbekommen, wenn du erst mal mit den einfachen angefangen hast.
Die realistische Anfängerliste
Diese Gemüsesorten belohnen fast jeden Neuling, egal wie viel oder wenig Erfahrung vorhanden ist:
Pflücksalat – Salatmischungen zum Immer-wieder-Schneiden, Rucola, Feldsalat
Radieschen – nur vier Wochen von der Aussaat bis auf den Teller
Buschbohnen – ertragreich, unkompliziert, befriedigend
Zucchini – ein, zwei Pflanzen reichen völlig, glaub mir
Cocktailtomaten – eine einzige hochgebundene Pflanze an einem sonnigen Platz
Kräuter – Petersilie, Schnittlauch, Basilikum, Minze (Minze unbedingt im Topf lassen, sonst wuchert sie dir den ganzen Garten zu)
Frühlingszwiebeln – brauchen wenig Platz und bringen schnelle Ergebnisse
Eine Kletterpflanze fürs Auge – Feuerbohne, Wicke oder einfach etwas Hübsches
Dafür brauchst du nicht viel Platz. Ein Beet von etwa 1 Meter Breite und 4 Metern Länge reicht – wobei die Zucchini den Löwenanteil beansprucht.
Eine Saison. Im Oktober wirst du fantastisch aus dem eigenen Garten gegessen haben, hast viel gelernt und garantiert Lust auf mehr.
Wie geht's weiter?
Wenn du weißt, was du anbauen willst, kommt die nächste Frage: Wo bekommst du gutes Saatgut her? Samenpackung ist nicht gleich Samenpackung, und die teuerste ist nicht unbedingt das beste Angebot.
Darum geht es im nächsten Beitrag →.


